Vom Balancieren auf des Messers Schneide – über die konkurrierenden Positionen von Original und Kopie in der Welt der Wirtschaft

Marla Korth

19. Februar 2019

Höher, schneller, weiter: In einer sich stetig im Wandeln befindlichen Welt stehen Kunden und Unternehmen in immer kürzer werdenden Zeitabschnitten teils unerwartet vor einer Reihe neuer Herausforderungen. Jeder Paradigmenwechsel – welcher sich heute schneller als jemals zuvor ereignet – zieht auch zahlreiche neue Problemstellungen und Bedürfnisse nach sich, denen es sich zu stellen gilt.


Auch im Finanzsektor zog diese Erkenntnis in den letzten Jahren eine Vielzahl von Innovationen nach sich, die sich als Reakion auf den Wunsch nach mehr Individualisierung, Service und Zeiterparnis entwickelten. Die FinTech-Szene wuchs und mit ihr die Zahl der Anbieter und Dienstleistungen, die den Kunden als neuartige Lösungsansätze präsentiert wurden. Wer genauer hinsieht dem wird auffallen, dass viele Ideen sich auf eine beinahe beängstigende Art und Weise ähneln. Nehmen wir hier Paydirect, der Bezahldienst, der versucht, es mit dem Branchenprimus Paypal aufzunehmen. Bislang vergeblich.

Jede Woche (im Schnitt alle 6,4 Tage) wurde im Jahr 2018 bislang ein neues FinTech-Startup gegründet (42 Gründungen in 270 Tagen). Im Vorjahr waren es erst 30. Die Branche boomt also.“
(https://finanzmarktwelt.de)

Doch eine gute Idee reicht in Zeiten, in denen die FinTech-Welt förmlich aufzublühen scheint, nicht mehr aus. Nun kommt es auf eine Reihe weiterer Faktoren an, die den Erfolg eines Start-Ups nachhaltig beeinflussen.

Zwischen Ohnmacht und Handlungswille

Dass bereits existierende Lösungsansätze den neuen Aufgaben häufig nicht gewachsen sind, ist nur die halbe Wahrheit. Oftmals ist es auch eine für Unternehmen existenzielle Aufgabe, das Kundenerlebnis mit dem eigenen Angebot zu optimieren um sich so aus dem breiten Sortiment herauszuheben.


Die Informationswelle, die als Ergebnis des wachsenden Medienkonsums und unserer vernetzten digitalen Welt gesehen werden kann, kann Kunden, die das surfen niemals gelernt oder schlichtweg zu spät reagiert haben, unerwartet überrollen und zu Handlungsohnmacht führen.


Sie kann jedoch von diesen auch als Chance gesehen werden, die Unternehmen zum Handeln zu zwingen, statt nur vom Ufer aus zuzusehen. Denn wer seine Zielgruppe nicht an die Hand nimmt, um ihr das Leben leichter, schöner und lebenswerter zu gestalten, der wird schon bald durch diejenigen ersetzt werden, die den Mut und das Bewusstsein hatten, dies frühzeitig zu tun.

Junge Start Ups haben diese Notwendigkeit erkannt und es sich zum Ziel erklärt, den Kunden immer dort aufzufangen, wo er vom bereits existierenden Angebot fallen gelassen wird.

Wesentlich schleppender verläuft die Entwicklung hingegen bei den alt eingesessenen Anbietern, die durch die Implementierung neuer Startegie- und Digitalabteilungen versuchen, mit der Dynamik der Start-up-Welt Schritt zu halten. Ihr entscheidender Vorteil ergibt sich aus der bereits existierenden Kundenbasis und dem Vertrauen, mit dem diese ihnen begegnet.

Zwischen Einzigartigkeit und Vertrauen

Um sich als junger Akteur im Markt behaupten zu können, muss sich auf einen Faktor berufen werden, mit dem die „alten Hasen“ im Zweifelsfall nicht dienen können: Einzigartigkeit.

Diese zu finden ist das Ergebnis langwiriger Suche und geduldsfordernder Analyse der aktuellen Offerte. Dass Suchende dabei gegebenenfalls auf ähnliche Lücken stoßen, ist nicht auszuschließen. Auch die Vernetzung und schnelle Informationsweiterleitung, sei sie nun Fluch oder Segen, trägt dazu bei, dass sich Innovationsansätze schnell und über nationale Grenzen hinweg verbreiten. Eine Idee, tausende Interessenten, hundert Umsetzende und davon ein Dutzend, die sich später als Konkurrenten im Markt gegenüberstehen. Und spätestens hier stellt sich die ausschlaggebende Frage: Was ist Orginal und was ist Kopie?

Je weiter man versucht in die Tiefe dieses Problemfeldes einzutauchen, desto eher wird einem auffallen, dass dies möglicherweise nicht der relevante Faktor zur Determinierung des Erfolgs einer Idee ist.

Viel entscheidender ist die Art und Weise, wie an der Umsetzung dieser gearbeitet und das Kundenerlebnis optimiert werden.


Spätestens hier kommt es nicht mehr darauf an, wer der Schöpfer des genialen Einfalls war, sondern wem der größtmögliche Pool an Ressourcen zur Verfügung steht. Auf diesem Wege kann der Urherber der Idee leicht durch die Umsetzung dieser durch die Konkurrenz und ein größeres und möglicherweise leistungsstärkeres Team ausgespielt werden.

Zwischen Moral und Wirtschaftlichkeit

Doch wie verhält sich das Kopieren fremder Einfälle im Kontext von Moral und Fairness?

Dass diese Güter im Gegensatz zum Erfolg einer Unternehmung nicht mit finanziellen Mitteln bemessen werden können trägt dazu bei, dass ihnen häufig ein geringerer Wert zugemessen wird. Dabei wird immer wieder deutlich, dass sie sich in der Reihe ausschlaggebender Faktoren für die Sympatie eingliedern, die ein Kunde einer Firma und ihrem Produkt entgegenbringt. Und diese wirkt sich widerum auf die Kaufentscheidung aus.


Doch der Schutz geistigen Eigentums und die damit einhergende Frage nach der Moral werden solange außer Betracht gelassen, wie rechtliche Rahmenbedingungen gewahrt werden. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Nachbesserungen am gesetzlichen Gerüst vorgenommen, doch ersetzt dieses keinesfalls das Konsultieren der eigenen Moralvorstellung, bevor wirtschaftlich orientierte Tätigkeiten aufgenommen werden, die ihre Wurzeln in der Kreativität Fremder haben.

Zwischen Theorie und Praxis

Bei all den theoretischen Vorüberlegungen ist jedoch der alles entscheidende Faktor, wie es sich schlussendlich in der Praxis verhält. Und genau hier liegt der Hund begraben: Für Kunden ist es häufig nicht einsehbar, welchen Weg die Entwicklung eines Produktes durchlief und auf welchem kreativen Nährboden diese keimte. Somit ist der enzige Faktor, an welchem sich die Entscheidung zum Kauf bzw. zur Nutzung bemisst, die tatsächliche Umsetzung.

Doch diese Herausforderung kann auch, insbesondere aus Nutzersicht, als Chance wahrgenommen werden: Der Verkäufermarkt wandelte sich innnerhalb des letzten Jahrhunderts zum Käufermarkt, in welchem die Unternehmen nun mit verbesserten und kostengünstigeren Produkten um die Gunst der Interessenten buhlen. Diese widerum stehen einem immensen Abgebot gegenüber, aus welchem sie, basierend auf individuellen Bedürfnissen, das für sie optimale Produkt auswählen können.

Schlussendlich wird auch die Frage nach dem Verhältnis von Inspiration und Kopie aufgeworfen, auf welche wohl nur in der Seltenheit der Fälle eine eindeutige Antwort gefunden werden kann. Ein Balancieren auf des Messers Schneide.

„In the new world, it is not the big fish which eats the small fish. It is the fast fish which eats the slow fish.&“

-Klaus Schwab, Vorsitzender des Weltwirtschaftsforum

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