Krypto-Kunst Hype! NFT, was ist das eigentlich?

Leonard Philp

1. September 2021

Krypto-Kunst Hype! NFT, was ist das eigentlich?

NFT steht für „Non Fungible Token“, was so viel heißt wie: unersetzbarer, einzigartiger Token (eine Werteinheit) und stellt eine digitale Besitzurkunde dar. So ziemlich alles im Internet kann man als NFT verkaufen. Der weltweit erste Tweet von Twitter Mitgründer Jack Dorsey wurde zum Beispiel als NFT für fast drei Millionen Dollar versteigert. Häufiger werden aber Bilder, Videos oder Animationen als NFT versteigert. Mit dieser Technologie kann man somit digitale Inhalte in einzigartige Sammlerstücke verwandeln.

Doch was passiert, wenn man ein NFT kauft, wie besitze ich so etwas?

Wenn man ein NFT- Kunstwerk erwirbt, wird dieser Besitzwechsel in der Blockchain gespeichert. Die Blockchain, auf der auch Bitcoin basiert, ist eine fälschungssichere Kette von Datensätzen, die dezentral auf sehr vielen Computern weltweit gespeichert ist. Nach einem Kauf ist das Werk in der Regel noch für jeden sichtbar, aber man ist der einzige Besitzer des Werkes, was auf der Blockchain gespeichert wird. Ein NFT ist also wie die originale Signatur des Künstlers auf einem Gemälde.

Der gesamte Zahlungsverkehr wird über die Kryptowährungen Ethereum, eine Alternative zu Bitcoin abgewickelt. Daher braucht man ein sogenanntes Wallet (ein digitales Portemonnaie) um NFTs erwerben zu können.

Wo kann ich NFT erwerben? Krypto Christie`s

Mittlerweile sprießen Auktionsplattformen, auf denen „nicht fungible“ Vermögenswerte gegen „fungible“ Werte, wie Kryptowährungen getauscht werden können, nur so aus dem Boden. Diese funktionieren ähnlich wie Ebay nur für digitale Güter. Opensea ist die weltweit größte Plattform, wobei hier nicht nur Kunst als NFT verkauft wird. Speziell für Kunst gibt es Plattformen wie Superrare oder Nifty Gateway über die bereits die NY-Times und Forbes berichtet haben, aber auch das Traditionshaus Christie´s versteigert die Krypto Kunst. Nachdem auf Christie`s digitaler Auktionsplattform ein NFT-Werk von dem Künstler Beeple für rund 69 Millionen Dollar versteigert wurde, beschloss auch Sotheby´s in den Krypto-Kunst Rausch einzusteigen. Diese Geschäftsfelds-Expansionen lassen vermuten, dass digitale Kunst in Form von NFT nicht nur ein kurzer Trend, sondern eine länger anhaltende Bewegung ist.

Picasso fractionalized

Die aufstrebende Kryptokunstwelt macht auch mittlerweile keinen Halt mehr vor den großen Meistern. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie ist es zum Beispiel möglich, Anteile an einem Picasso Gemälde für unter 6.000 Dollar zu erlangen. „Fractionalized Ownership“ nennt man diese Methode des Investierens, bei der man die Kosten einer Anlage zwischen den Anteilseignern aufteilt und somit an Wertsteigerungen von exklusiven Luxusgütern teilhaben kann. Zwar kauft man sich damit nicht das Recht, das Gemälde „Fillette au béret“ zu sehen, denn das wird in einem Tresor in der Schweiz aufbewahrt. Allerdings kann man sich dann, für wenig Geld, einen stolzen „Picasso-Anteilsbesitzer“ nennen. Der Verkauf wird organisiert von der speziell für digitale Assets gegründeten Schweizer Sygnum Bank, in Kooperation mit dem Kunstinvestor Artemundi. Zusammen wollen beide Unternehmen die Eintrittsbarrieren für Kunstanlagen senken und dem Kunden eine kuratierte Auswahl an NFT Kunst bieten, die bei einer regulierten Bank in der Schweiz sicher verwaltet wird.

Das Eigentumsrecht bei NFT

Als Eigentümer konventioneller Kunst kann man generell frei darüber bestimmen, wer zu ihr Zugang hat oder wer sie verbreiten darf. Allerdings ist das beim Besitzen von digitalen Inhalten nicht so einfach. Viele NFT-Werke bleiben auch nach dem Kauf für jeden im Internet sichtbar und können auf YouTube oder in der Google Bildersuche weiterhin aufgerufen werden. Deshalb stellt sich die Frage: Was genau erwirbt man als NFT-Käufer überhaupt?

Als NFT-Käufer erwirbt man ein digitales Zertifikat, das eine Person als einzigen Inhaber des Originals ausweist (vergleichbar mit Echtheitszertifikat). Diese Informationen sind auf dem Token als Metadata hinterlegt als einzigartigen Code, der eine direkte Zuweisung zum „tokensierten Werk“ ermöglicht.  Durch die fälschungssichere Blockchain-Technologie erlangt dieser Token einen Beweiswert.

Urheberrecht

Welche Rechte man als Besitzer eines NFT hat, wird in vertraglichen Lizenzvereinbarungen mitgeregelt. Das Urheberrecht kann nach deutschem Recht nicht übertragen werden, auch nicht auf den Käufer des NFT. Der Käufer kann nur Nutzungsrechte (Lizenzen) über das Werk erwerben. Diese können das Recht, das Werk zu vervielfältigen, zu verbreiten oder öffentlich auszustellen beinhalten. Die Lizenzvereinbarungen bezüglich der Werke bei dem Kauf von NFT sind nicht einheitlich geregelt. Die genauen Regelungen sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich.

Wirtschaftliches Interesse hinter der NFT-Technologie

Die Technologie hinter NFT ist auch von wirtschaftlichem Interesse für globale Unternehmen. Brian Goldner, der CEO von Hasbro, hat bereits ein Team darauf angesetzt, die NFT-Technologie in den beliebten Kult Sammelkarten „The Gathering“ zu implementieren. Solche Karten werden nämlich bereits auf Krypto Plattformen mit mehreren zehntausend US-Dollar gehandelt. Der bekannte US-Unternehmer Mark Cuban sieht eine Chance in der Möglichkeit, NFT für den Ticketverkauf einzusetzen. Wer ein Spiel in der NBA ( National Basketball Association) sehen möchte, muss häufig aufgrund der Beliebtheit, auf private Retail Angebote zurückgreifen, bei denen man oft mehr als den doppelten Preis zahlt. Cuban ist  zwar Inhaber des Dallas Mavericks Basketballteams, an diesen Weiterverkäufen verdient Cuban bis jetzt allerdings noch nichts.  Das sollen NFT Tickets nun ändern, denn Cuban bleibt im Blockchain-Code der Eigentümer der digitalen Tickets und kann somit an jedem Profit durch Weiterverkauft teilhaben und seine Lizenzrechtsgebühren einfordern. Die NFT Krypto Technologie scheint also auch in anderen Bereichen interessant zu sein, wobei das noch Zukunftsmusik ist, genauso wie der angedachte NFT Impfpass oder das NFT Abiturzeugnis – weltweit wären Dokumente gesichert für den wahren und einzigen Inhaber. Aber der Wandel in der Kunstwelt findet jetzt statt und ist keine Zukunftsmusik mehr.

Die negative Seite

Das Erstellen und Handeln mit NFT Kunst ist mit großem Energieaufwand für die Computer verbunden.  Der Grund dafür: Wenn ein Bitcoin oder NFT erschaffen wird oder den Besitzer wechselt, muss dieser Vorgang in der Blockchain vermerkt werden. Damit nicht jeder eine Transaktion in die Blockchain einschreiben kann, wird zur Validierung eines Tokens die „Proof of Work“ Methode genutzt.

Hierbei wird weltweit ein „Wettbewerb“ ausgeschrieben, bei dem ein komplexes Rätsel gelöst werden muss. Derjenige, der es zuerst löst, darf den neuen Block in die Chain einschreiben und erhält eine Vergütung in Kryptowährung. Dieser Aufwand ist nötig, um die Sicherheit und Verschlüsselung des Systems zu garantieren. Dadurch werden jedoch weltweit tausende Computer (die sogenannten „Miner“) aktiviert. Ein sehr ineffizientes System!

Damit die Rechendienstleistung (Mining) möglichst wirtschaftlich ist, stehen die Rechner überwiegend in Ländern, mit Billigstrom aus Kohle, der somit viel CO2 Emissionen verursacht.

Eine aktuelle Studie von „digiconomist“ legt offen, dass eine einzige Transaktion mit Ethereum so viel Energie verbrauchen kann, wie ein amerikanischer Haushalt in zweieinhalb Tagen.

Robert Ketterer, der Chef des Auktionshauses Ketterer in München, beobachtet den digitalen Kunstmarkt deshalb noch skeptisch. „Der Rechenaufwand um ein Bild zum Original zu machen und es mit dem Namen des Besitzers in der Bockchain zu verknüpfen, sei gigantisch. Die Transaktionskosten sind zu hoch. Die ökologische Seite ist eine Katastrophe“ (Zitat: Interview von Joachim, Hagen, NFT-Kunst: Wie verändern Digitale Kunstwerke den Markt).

Die Umweltbilanz

Der Künstler „Akten“ hat zu der CO2 Bilanz von Kryptowährungen und NFT  eine viel zitierte Webseite erstellt. Auf dieser errechnet er auf Grundlage empirischer Daten von 80.000 analysierte Transaktionen mit 18.000 NFTs den Stromverbrauch. Das Ergebnis: Eine Transaktion im Zusammenhang mit NFT verbraucht im Schnitt 83 Kilowattstunden Strom, was je nach Energiemix bis zu 33 Kilogramm CO2 verursacht.

Der gesamte Prozess, das heißt:  Krypto-Account erstellen, bieten und verkaufen, verursacht einen CO2 Ausstoß, der vergleichbar ist mit einem Auto auf einer Strecke von 750 km, wie die Technische Universität München berechnet hat.

In Zukunft wird Krypto „grüner“

Es gibt jedoch eine Perspektive für nachhaltigere Kryptowährung: Nach „proof of work“ soll eine neue Methode: „proof of stake“ den Energieaufwand drastisch senken. Dadurch, dass sich „Miner“ erst qualifizieren müssen. So werden nur ausgewählte Miner zugelassen. Die Umweltprobleme von NFT sind auch den Künstlern präsent. Mehrere spenden ihren Erlös an Umweltorganisationen oder setzten sich inhaltlich in ihren Werken mit Umweltschutz auseinander.

Ein Beispiel dafür ist der Künstler Terra0, der sich in seinem Werk „Two Degrees“ mit der Erderwärmung beschäftigt: Die Verträge, die man beim Kauf dieses NFTs abschließt, sind mit einem Temperaturserver der NASA verbunden, welcher jährlich die globale Erderwärmung misst und im Falle einer 2 Grad Celsius Erhöhung den Token löschen kann. So eine neue kreative Form von Kunst macht die Digitalisierung möglich.

Manipulation der Kunstmärkte

Durch das große Interesse der Medien bekommt der NFT Markt sehr viel Aufmerksamkeit. Doch der Hype um NFT wird auch aktiv angetrieben. So hält der Künstler Beeple, dessen NFT bei Christies eine Rekordsumme von 69 Millionen Dollar eingespielt hat, selbst Anteile an dem Fonds, der sein Kunstwerk gekauft hat.

Der Fonds gehört einem digital Kunstsammler, der unter seinem Pseudonym MetaKovan bekannt ist. Unter diesem kaufte er bereits im letzten Dezember 2020 mehrere Beeple-Werke und verkauft diese als „Fractionalized Ownership“ in Anteilen. An dem Tag, an dem er die Auktion bei Christies gewann, stieg deren Wert laut CoinMarketCap um 51 Millionen Dollar.  Diese finanziellen Interessen zeigen, dass es sich weniger um eine Revolution, sondern mehr um eine Goldgräberblase handeln könnte.

Branchenrisiko: Wertvolle Kunst wird gestohlen, kann man Krypto Kunst hacken?

Die Besitzurkunde ist fälschungssicher in der Blockchain gespeichert, allerdings ist der Account bei der jeweiligen Auktionsplattform, auf der man seine Besitzurkunden verwaltet, nicht vor Hackerangriffen sicher. Auf der Auktionsplattform Nifty Gateway wurden bereits Accounts gehackt und die enthaltenen NFTs gestohlen. Das Unternehmen berichtete zwar von einem überschaubaren Schaden und richtete neue Sicherheitsvorkehrungen, wie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung ein, allerdings zeigt dieser Fall, dass auch NFTs wie Ölgemälde nicht vollständig sicher vor Kriminellen sind.

Marktvolumen/ Wertsteigerung

Die Pandemie hat die Digitalisierung in der Kunstwelt stark vorangetrieben. In der Pandemie hat sich gezeigt, dass sich Kunst nicht nur analog, sondern auch digital verkaufen lässt. Während der traditionelle Kunstmarkt vollständig ausgebremst wurde, Galerien und Auktionen ihren Betrieb einstellen mussten, liefen die Server von NFT Kunstplattformen heiß. Nach Zahlen der größten NFT-Datenbank (Nonfungible.com) hatte der NFT-Markt im ersten Quartal 2021 bereits ein Volumen von zwei Milliarden Dollar. Das Marktvolumen vom Jahr 2020 insgesamt lag noch bei 3,4 Milliarden Dollar. Damit ist der Markt innerhalb eines Jahres um sagenhafte 13.000 Prozent gewachsen, wie eine Infografik von Statista und Technology Review zeigt. Für Künstler ist dieser Markt nicht nur interessant, da er gerade sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern auch weil es möglich ist beim Erstellen eines NFT diesen mit einer sogenannten Royalty Fee zu versehen. So nennt man den Mechanismus, den auch Mark Cuban für seine Tickets nutzen möchte. Der Künstler könntet damit eine ewige Rendite durch die Wertsteigerung seines Werks haben.

Wie bei allen Anlageklassen, bei denen man sehr hohe Gewinne erzielen kann, geht auch immer ein hohes Risiko einher. Über zukünftige Werteentwicklung der Sammlerstücke halten sich Experten noch zurück. Zwar kann man durch das bisher noch knappe Angebot gigantische Gewinne einfahren, allerdings ist der Markt noch sehr jung und es fehlen ausreichend Transaktionen, um Anhaltspunkte für die Werteinschätzung und Bewertung von digitaler Kunst zu bestimmen.

Volatilität des Marktes

Außerdem kann der ausgezahlte Erlös im Wert innerhalb von Tagen oder Stunden stark schwanken. Denn dieser hängt zusammen mit den Kursschwankungen der Kryptowährung Ether. So lag die Kryptowährung am 20. Juli 2021 bei 1,487 Euro, während sie am 26. Juli 2021 schon bei 2,000 Euro lag. Eine Alternative, um diese Unsicherheit zu umgehen, kann eine regulierte Kryptowährung sein. Die bereits erwähnte Sygnumbank verwendet für ihre Auktionen die XCHF-Stablecoins. Bei Stablecoins handelt es sich um Kryptowährungen, deren Preis sich durch aktive oder automatisierte Geldpolitik bestimmt, und damit nicht so volatil ist, wie unregulierte Währungen wie Ether oder Bitcoin, wo der Preis sich nur über Angebot und Nachfrage bestimmt. Im Fall der XCHF-Stablecoins sind diese an den Schweizer Franken gebunden. Jeder XCHF repräsentiert eine, durch Bankgarantie abgesicherte Forderung in der Höhe von einem Schweizer Franken.

NFT-Hype, ein vorrübergehender Trend?

Dirk Boll, der Präsident von Christies, schreibt in seinem aktuellen Buch „Was ist diesmal anders?: Wirtschaftskrisen und die neuen Kunstmärkte einer globalen Zeitwende des Kunstmarktes.“ (Hatje Cantz Verlag, 2020), wie die Kunst und der Wirtschaftsmarkt alle 10 Jahre eine tiefgreifende Erschütterung oder Transformation durchlebt. So eine Transformation passiert jetzt, seiner Auffassung nach, durch virtuelle Auktionen, neue Distribution Wege oder neue Formen und Vehikel wie NFT.

Gerade jetzt, wo in Zeiten von Corona, Museen und Ausstellungen geschlossen sind, boomen NFTs. Zuletzt investierten auch die Finanzriesen, Deutsche Börse zusammen mit der Commerzbank in das Fintech 360x, um sich strategisch auf dem neuen Markt zu positionieren. Mit dessen Hilfe soll eine NFT Plattform für Kunst und Immobilien geschaffen werden, wobei es sich bei 360x um ein hochskalierbares Modell handelt, auf dem noch weitere Assetklassen per NFT gehandelt werden sollen.

Fazit

Natürlich wird es immer einen Markt für haptische Kunst geben, gerade da der emotionale Aspekt beim Besitzen von digitaler Kunst zu kurz kommt.  NFTs sind auf jeden Fall eine spannende Entwicklung in der reale Vermögenswerte tokenisiert oder auch in Teilwerte aufgespalten werden. Wer Kunst bisher Anlagemöglichkeit nicht bedacht hat oder noch zu abgehoben erschien, dem wird jetzt der Zugang durch NFT deutlich leichter fallen. Für Künstler, die bisher mit digitalen Inhalten kein Geld verdienen konnten oder stark abhängig waren von großen Firmen wie Facebook und Google, können jetzt seriös mit echten Zertifikaten ihre Werke vertreiben. Ob NFTs sich als digitales Tool für Rechte-Inhaber durchsetzen können oder ob das Instrument ein „Hype“ unter Blockchain-Enthusiasten bleibt, können auch Kenner der Kunstszene heute noch nicht beurteilen. Es bleibt die Chance, dass sich hier ein neuer faszinierender Markt eröffnen könnte.

Quelle: https://de.statista.com/infografik/24807/kennzahlen-der-nft-industrie/

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