Finance for Future – wie man nachhaltig zu Rendite und Wirkung kommt

OWNLY

27. August 2019

Vor etwa einem Jahr begann die mittlerweile weltbekannte 16-jährige Greta Thunberg mit ihrem Klimastreik, heute gibt es „Fridays for Future“ auf der ganzen Welt. Der Kampf gegen den Klimawandel betrifft so ziemlich alle Teile unseres täglichen Lebens und rückt immer mehr in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses. Da bleibt auch das Thema Finanzen und Investieren nicht außen vor. Mittlerweile gibt es viele Unternehmen, die sich diesem Thema angenommen haben, von nachhaltigen Girokonten über „grüne“ ETFs bis zu Investmentmöglichkeiten, die konkret eine Wirkung für den Anleger sichtbar machen.
Trotz dieser großen Vielfalt an Mitteln und der Dringlichkeit der Thematik investieren nur 39 Prozent aller Menschen nachhaltig. Woran kann das liegen?
Zum größten Teil rührt es daher, dass noch viel Unwissen herrscht und es für viele Menschen fraglich ist, ob und wie man die Wirkung seines Einsatzes messen kann.

In diesem Artikel klären wir auf um Begriffe wie Impact Investing, ESG, Best-in-Class, um viele Irrtümer, wenn es um nachhaltig investieren geht und wie man schon mit wenig Zeitaufwand und Expertenwissen etwas bewirken kann.

Fünf Strategien des nachhaltigen Investierens

Nachhaltig Investieren: was bedeutet das eigentlich? Nachhaltigkeit ist laut Begriffserklärung nichts anderes als eine für eine längere Zeit anhaltende Wirkung. Genauso wie der Einsatz dieses Begriffs ist auch das Volumen der nachhaltigen Investments in den letzten Jahren rasant angestiegen. Das Volumen nachhaltig verwalteter Assets liegt heute weltweit bei über 30 Billionen US-Dollar und nimmt laut der Global Sustainable Investment Alliance in Europa knapp die Hälfte des Investmentvolumens ein. So wie grüne Finanzprodukte immer mehr ihre Rolle als Nischenprodukte verlassen, erwartet man, dass diese Zahlen weiter – und das auch nachhaltig – steigen werden.
Die Vielfalt an Produkten trifft auch auf eine Vielzahl an Strategien, sein Geld nachhaltig anzulegen. Die Top-Strategien haben wir hier zusammengefasst:

  1. Ausschlusskriterien

Die erste Anlagestrategie mit nachhaltigem Ansatz besteht darin nach bestimmten Kriterien Unternehmen, Branchen oder gar Länder vom Investmenthorizont auszuschließen.

In Deutschland ist diese Strategie die meist angewandte, mit einem Gesamtvolumen von über 80 Milliarden Euro. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen führt in einer Liste die Top Zehn Ausschlusskriterien auf. Auf Platz eins und zwei stehen Arbeitsrechtsverletzungen, Menschenrechtsverletzungen und auf dem dritten Platz folgt Umweltzerstörung. Weitere Branchen, die ausgeschlossen werden, sind die Waffen- und Rüstungsindustrie und Unternehmen die mit Pornografie, Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Kernenergie zu tun haben. Hinsichtlich Staaten sind die wichtigsten Ausschlusskriterien Korruption, Nichtratifizierung von Umweltkonventionen und Verstöße gegen Waffensperrverträge.

  1. Normbasiertes Screening

Ähnlich dem Ausschluss, wird beim norm- und wertebasierten Screening nach Verstößen gegen ethische und wertbasierte Kriterien selektiert. Die meisten Vermögensverwalter und nachhaltige Investmentfonds richten sich nach internationalen Normen, wie dem UN Global Compact, die ILO-Arbeitsnormen sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen.
Das normbasierte Screening erfuhr im deutschsprachigen Raum das größte Wachstum und rangiert auf Platz drei mit einem Anlagevolumen von 50 Milliarden Euro, wie das Forum nachhaltige Geldanlagen in einer Studie zeigt.

  1. Best-in-Class

Viele Anleger bedienen sich dieser Strategie ergänzend zu einem Ausschlussansatz. Hier wird aus jeder Branche das Unternehmen ausgewählt, was hinsichtlich Nachhaltigkeitskriterien (ESG-Kriterien, s.u.) im Vergleich am besten abschneidet. Dieser Ansatz wählt grundsätzlich aus den weltweit größten Konzernen, das Best-Practice-Konzept aus. Hierbei handelt es sich meist um Großkonzerne, die die besten Lösungen hinsichtlich ihrer Umwelt- und Sozialpolitik entwickeln. Positiv fällt auf, dass dieses Konzept einen Wettbewerb unter den großen Konzernen entfacht hat, um in den Nachhaltigkeitsrankings und -indizes aufzutauchen.
Eine gute Reputation hinsichtlich der vielen Nachhaltigkeitsziele zu verdienen, steht mittlerweile auf der Agenda jedes großen Unternehmens.

  1. ESG-Integration

ESG steht für die drei Begriffe Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Die Integration von ESG-Kriterien wird vielerorts als Synonym für nachhaltiges Investieren verstanden und es macht heute bereits ein Viertel des verwalteten Vermögens weltweit aus. „ESG Analyst“ ist mittlerweile auch eine verbreitete Jobbezeichnung.
Die ESG-Integration beschreibt die Berücksichtigung im Investmentprozess von Faktoren wie Klimastrategie und Umweltmanagement im Bereich Environmental, Menschenrechte und Chancengleichheit im Bereich Social und Unternehmensethik und Vergütung im Bereich Governance. Grundlage für institutionelle Investoren sind hierbei die Ergebnisse spezialisierter Ratingagenturen, die Unternehmen nach den ESG-Kriterien mit bestimmten Noten bewerten, beispielsweise von AAA bis CCC oder von 0 bis 100 Punkten. Anhand unterschiedlicher Skalen und Kriterienkataloge können die Bewertungen von Unternehmen dabei stark auseinandergehen. In Zukunft könnten deswegen KI-Technologien in dieser noch jungen Branche eine große Rolle spielen.

  1. Impact Investing

Impact Investing, auf Deutsch wirkungsorientiertes Investieren, zielt neben einer positiven Renditeabsicht darauf ab, eine messbare, soziale oder ökologische Wirkung zu erzielen. Um das zu erreichen wird beim Impact Investing direkt in Unternehmen investiert, ob durch Beteiligungen, Mikrokredite, Venture Capital oder Private Equity. Diese Unternehmen sind sozialorientiert und wollen eine gemeinnützige positive Wirkung erzielen. Die Breite der Themen ist dabei groß – ob für sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen, Bildung in Entwicklungsländern oder gegen den Verlust von Biodiversität. Dabei orientiert sich Impact Investing an den 17 Sustainable Development Goals der UN. Laut einem Report von JP Morgan hat das Impact Investment das Potenzial eine neue Anlageklasse zu werden, auf bis zu eine Billion Dollar könnte das Volumen laut den Prognosen in den kommenden Jahren ansteigen.

Die drei großen Irrtümer, wenn es um grüne Geldanlage geht

Trotz der Fülle an Informationen und Möglichkeiten die zu nachhaltigen Investments mittlerweile bestehen, gibt es auf Seite der Investoren noch oft Zweifel, die meist nur mit Unwissen verbunden sind. Wir klären auf um die größten Fehleinschätzungen:

  1. Weniger Rendite

Noch immer kursiert der Mythos, beim Investieren auf Nachhaltigkeit zu setzen äußert sich in einem Verzicht auf Rendite. Das ist wissenschaftlich widerlegt: nachhaltiges Investieren führte im Durchschnitt zu der gleichen, wenn nicht einer besseren Performance.
Ein Index an dem sich das gut zeigen lässt ist der MSCI KLD 400 Social Index. Dieser enthält nur Unternehmen, die hinsichtlich der ESG-Kriterien ein sehr gutes Rating genießen. Weiterhin schließt der Index bestimmte Branchen aus, wie z.B. die Alkokol-, Tabak- und Waffenindustrie. Dass dadurch Performance eingebüßt wird, z.B. durch mangelnde Diversifikation, ist nicht der Fall. Aus einem Bericht von Morgan Stanley geht hervor, dass über einen Zeitraum von über 20 Jahren der MSCI KLD 400 eine annualisierte Rendite von 10,14 % erreichte, der S&P 500 dagegen nur 9,69 %. Die nachhaltige Variante des S&P 500, der S&P 500 Environmental & Socially Responsible Index, übertraf sein Gegenstück ebenfalls um 61 Basispunkte.

  1. Wirkung nicht messbar

Ein weiterer Mythos hinsichtlich nachhaltiger Investmentstrategien ist, dass keine genaue Wirkung für den Investoren sichtbar wird bzw. diese nicht messbar ist. Bei Investmentstrategien wie dem Impact Investing (s.o.), ist gerade das jedoch ein Kriterium. Hier wird gezielt in Unternehmen investiert, deren Zweck es ist eine positive gesellschaftliche Wirkung zu erreichen, ob in sozialer oder auch umweltpolitischer Hinsicht

  1. Man muss Experte sein

Eine Umfrage der BaFin zeigt, dass 60 % der Befragten nicht wissen um was es bei nachhaltiger Geldanlage geht. Zudem ist die Annahme verbreitet, ohne Expertenwissen und großen Zeitaufwand sei nachhaltig Investieren nicht möglich. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: heute gibt es schon eine Vielzahl an Fonds oder Exchange Traded Funds (ETFs), die auf nachhaltigen Kriterien basieren. So erspart man sich zunächst, die Unternehmen eigens auf ESG-Kriterien zu untersuchen. Mittlerweile gibt es viele Foren und Datenbanken, die eine große Auswahl an nachhaltigen Fonds aufzeigen und: die Auswahl wächst täglich.

Und auch das rasant wachsende Volumen nachhaltig verwalteter Assets zeigt: nachhaltiges Investieren ist schon lange kein Expertenthema mehr.

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