Affe vs. Bulle (vs. Investmentbanker?)

Marla Korth

30. August 2018

Die sagenumwogene Wall Street in New York: Seit nahezu 30 Jahren ziert der berühmte bronzefarbene Bulle den Eingang des amerikanischen Finanzdistrikts. Seine Geschichte ist faszinierend wie geheimnisvoll zugleich: Im Dezember 1989 plazierte der Künstler Arturo Di Modica, nach zweijähriger Arbeit, sein tierisches Kunstwerk unter den Bäumen des angrenzten Bowling Green Parks, symbolisch als Weihnachtsgeschenk an die Stadt New York. Seit jeher ist er der Talisman der New Yorker Börse und Pilgerstätte für Touristen aus aller Welt.

Doch nun bekommt der alteingesessener Stier Konkurrenz aus dem Zoo. Des Menschen nächste Verwandte, die Primaten, sind auf dem Vormarsch in die Finanzwelt. Was sich nach apokalyptischem Sciene-Ficition-Film anhört, ist das Ergebnis jahrelanger Forschung.

Einmal jährlich lassen Investmentbanker ihre besten Strategen gegen die tierische Konkurrenz antreten. Die Affen werfen dabei mit Dartpfeilen auf den Kursteil einer Zeitung und wählen so per Zufall Aktien und Anleihen für das Affen-Porfolio aus. Ganz nach dem Motto „Treffer, versenkt.

So setzte sich das Portfolio in den vergangenen Jahren beispielsweise zu 70% aus Aktien und Anleihen von Industrieländern zusammen, gefolgt von Aktien und Anleihen von Schwellenländern. Den kleinsten Anteil bildeten Unternehmensanleihen mit lediglich 5%. Zum Vergleich: Im selben Zeitfenster bestand das durchschnittliche Portfolio der Deutschen zu 42% aus Bankeinlagen, Aktien und Anleihen machten gemeinsam nur etwa ein Zehntel aus. Im Zeitfenster von 12 Monaten generierten unsere felligen Verwandten höhere Gewinne als Amerikas betverdienende Wall-Street-Elite.

Doch damit nicht genug. 2013 widmeten sich Wissenschaftler erneut dem Forschunggegenstand „Affe und Finanzen“ und simulierten an der Londoner Cass Business School mit Hilfe einer hochleistungsfähigen Computers ein Affengehirn. Anschließend ließen sie dieses rückwirkend für einen Zeithorizont von 43 Jahren jeweils 1000 Aktien aus allen weltweit Erhältlichen auswählen. Diese Titel wurden nun zu einem Index summiert und gewichtet. Das Ergebnis: Der „affige Index“ schlug jedes Jahr den Tatsächlichen. Doch wie sieht es hier mit der Konkurrenz aus? Aktive Fondsmanager schreiben sich Jahr für Jahr auf die Fahnen, es ebenfalls mit dem Index aufzunehmen, ob sie es tatsächlich schaffen steht dabei in den Sternen. Also statt in einen hochbezahlten Fondsmanager lieber in ein flauschiges Haustier investieren?

Fakt ist, dass jeder von uns über ein „Affen-Hirn“ verfügt. Denn die Auswahl der Tiere erfolgte rein zufällig und orierntierte sich nicht an persönlichen Präferenzen. Abneigungen und Vorlieben -Grundprinzipien menschlichen Handelns- bilden hierbei die größte Hürde und können, selbst bei größter Anstrengung, nicht zugunsten der Rationalität ersetzt werden. Wieso das so ist, haben wir hier (Verlinkung Artikel „Das alltägliche Casino in den eigenen vier Wänden“) erklärt.

Der Technik sei dank, existieren jedoch Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem: Per Zufallgenerator kann aus einem Aktien-Pool eine vorher festegelgte Anzahl ausgewählt und somit ein individueller Index erstellt werden.

Ob sich also zukünftig ein Affe neben dem Bronze-Bullen einreiht? Vermutlich wären die „Wall Street guys“ damit nicht ganz einverstanden. Denn wer möchte auf dem Weg zur Arbeit ständig seinem ärgsten Konkurrenten begegnen, womöglich noch umringt von zahlreichen Fans und Touristen?

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