Das alltägliche Casino in den eigenen vier Wänden

Marla Korth

27. Juni 2018

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Es ist ein milder Samsatgabend und sie haben beschlossen, ihn mal auf eine etwas andere Art und Weise zu verbringen. Bereits vor Wochen haben Sie ihre Freunde zusammengetrommelt, alle haben sich in Schale geschmissen, den alten Hochzeitsanzug aus dem Schrank geholt und das teuerste Parfüm aufgelegt. Ihr Ziel: Das nobelste Casino der Stadt, in welchem sich sonst nur die Schickeria herumtreibt. Voller Motivation stürzen sie sich gleich kopfüber ins erste Glücksspiel. Es handelt sich hierbei um eine Art Wette, welche aus zwei Teilen besteht.

Die erste Situation lautet wie folgt: Im Spiel sind 1000€.

Sie haben eine 50%ige Wahrscheinlichkeit diese 1000€ zu gewinnen, zu 50% gehen sie allerdings mit leeeren Händen nach Hause.

Oder sie können garantiert und zu 100% 500€ gewinnen. Welche Variante wählen Sie?

Wenn Sie wie die Mehrheit der Menschen ticken, dann werden sie sich für die zweite Möglichkeit entscheiden, und das, obwohl der Gewinn bei beiden Wetten im Mittel identisch ist und bei 500€ liegt. Doch warum handeln wir so?

Bevor wir dieser Frage auf den Grund gehen, begeben wir uns allerdings nocheinmal zurück ins Casino. Nach dem Spiel ist ja bekanntlich vor dem Spiel und so folgt noch eine zweite Runde der eben beschriebenen Wette, allerdings mit leicht abgewandelten Spielregeln. Diesmal haben sie erneut die Wahl zwischen Variante A und B. In der Tischmitte befinden sich nach einigen Spielrunden mittlerweile 2000€, um die es nun zu spielen gilt.

Von diesen können Sie

  1. Zu einer Wahrscheinlichkeit von 50% 1000€, also die Hälfte, verlieren, oder, auch zu 50%, die gesamten 2000€ Ihr Eigen nennen und 0€ verlieren.
  2. Oder aber Sie verlieren garantiert und mit 100%iger Wahrscheinlichkeit 500€ des möglichen Gewinns von 2000€.

Wofür entscheiden Sie sich?

Die breite Masse wird sich in diesem Fall für Variante B entscheiden. Auch hier ist die Wahrscheinlichkeit im Mittel einen Gewinn in Höhe von 1500€ mit nach Hause zu nehmen in beiden Fällen identisch. Wir hätten sogar die Chance auf mehr, nämlich 2000€, entscheiden uns allerdings für die zweite Situation, in welcher wir garantiert Verluste einfahren.

Der Erklärung dieses Phänomens haben sich die Wissenschaftler Kahnemann und Tversky verschrieben und dafür im Jahre 2002 den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten. Diese Auszeichnung spricht für die Relavanz eines Forschungsfeldes, dessen Studien zu der am häufigsten zitierten Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören.

Ihre prospect theory liefert Erklärungsmodelle für Verhaltensweisen unter Unsicherheit, die täglich, nicht nur im finanziellen Kontext, beobachtbar sind. Immer dort, wo Einschätzungen über unbekannte Werte vorgenommen werden müssen, greift das Konzept. Nicht zuletzt betrifft es uns selbst, beispielsweise wenn es um den Verkauf des Eigenheims geht. Inhaltlichen Kern der Theorie bildet die Annahme, dass Individuen Verluste höher gewichten als Gewinne. Dies erklärt auch, wieso wir uns im Vorfeld für diejenige Variante entschieden haben, bei welcher wir, in unseren Augen, nicht verlieren sondern ausschließlich positiv abschneiden. Darüber hinaus werden unter Unsicherheit Wahrscheinlichkeiten subjektiv bewertet, was bedeutet, dass der Eintritt eines bestimmten Ereignisses als wahrscheinlicher bzw. unwarhscheinlicher eingestuft wird, als er tatsächlich ist.

Mit Hilfe der prospect theory können wir demzufolge sogenannte „Verhaltensanomalien“ erklären, Verhaltensweisen, welche sich entgegen rationaler Prinzipien bewegen.

Wer, neben im Finanzsektor Tätigen, auch ein Lied von diesem Phänomen singen kann, sind Immbolienmakler. Das tägliche, wenn auch vielleicht nur innere, Augenrollen gehört im täglichen Umgang mit Hausverkäufern und Kaufinteressenten zum Tagesgeschäft. Denn wer ein Haus verkaufen möchte, berwertet seine geliebte Immobilie häufig über und gibt sich nicht mit Kaufangeboten zufrieden, die den realen Marktpreis widerspiegeln. Hier spielt zum einen die emotionale Bindung zum Objekt eine Rolle, die sogenannten Dispostionseffekte, die wir im letzten Blogartikel am Beispiel Börse erklärt haben. Zum anderen wertet der Verkäufer den Verlust, den er mit dem Verkauf der Immobilie einfährt, höher als die daraus generierten Gewinne. Und verlieren tut weh.

Falls Sie, ganz rational und emotionslos, wissen wollen, was ihr Eigenheim tatsächlich wert ist, hätten wir da etwas für Sie: Mit der OWNLY App können sie Ihre Immobilie kostenfrei und objektiv bewerten und so checken, ob Ihre Einschätzung mit dem realen Marktpreis übereinstimmt. Fast wie im Casinso- wer am nächsten am richtigen Wert dran ist, gewinnt.

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