Wie wird der Nachwuchs im Umgang mit Vermögen trainiert?

OWNLY

15. November 2017

Die Zahl der Millionäre steigt in Deutschland Jahr für Jahr. Nicht immer ist das ein Ergebnis langfristigen Vermögensaufbaus, sondern beruht auch auf Schenkungen, Erbschaften oder einmaligen Geldzuflüssen, wie denen aus dem Verkauf („Exit“) von Unternehmensanteilen oder Werbeerträgen von Spitzensportlern.

Anders als bei stetigem Vermögensaufbau, haben Personen mit „plötzlichem“ Vermögenszuwachs oft wenig Zeit und Gelegenheit, den Umgang mit Vermögensanlagen zu erlernen.

Risiken von Kenntnislücken werden nicht nur in prominenten tragischen Fällen wie eines Boris Beckers deutlich. Viele Neuvermögende verlassen sich auf verkäuferisch starke „Berater“, die weniger eine langfristige Hilfe des Vermögensinhabers, denn ihre eigenen Interessen im Blick haben.

In einer immer komplexer werdenden Finanzwelt wächst der Wunsch nach Finanzwissen und die damit einhergehende Fähigkeit, seinem Bankberater auf Augenhöhe begegnen zu können.

Zu häufig driften Kundenberater und Experten in eine eigene fachspezifische Sprache ab, welche für Kunden oft unverständlich und abschreckend wirken kann.

Auf Universitäten lernen Studenten – zumal nur diejenigen der Finanzstudiengänge – überwiegend theoretische Konzepte. Eine Anwendung auf individuelle Aufgabenstellung findet hier nicht statt.

Auch die Ausbildung für professionelle Berater z.B. als Certified Estate Planner, Financial Planner etc. sind keine Lösungen für junge Vermögende. Diese Angebote sind auf die Situation der Berater gemünzt und meist als Ausbildung deutlich zu umfangreich für den privaten Gebrauch.

Es gibt durchaus gut gemachte digitale Tools zur Vermögensverwaltung oder Plattformen für Finanzbildung, wie z.B. das Start-up Fingym aus Hamburg. Letztere wenden sich jedoch an die Allgemeinheit mit Themen wie Rentenversicherungen, Fondssparen etc. Sie beschäftigen sich allerdings nicht mit den Herausforderungen von Vermögenden, wie beispielsweise der internationalen Streuung von Anlagen, komplexe Asset Allokation oder das Vermögenscontrolling.

Wie können also vermögende Familien in der Ausbildung ihres Nachwuchses vorgehen?

Der Zugang zur Verwaltung eigenen Vermögens ist meist nicht theoretisch, sondern praktisch. Die nächste Generation soll direkte Erfahrungen sammeln. Sie erhalten beispielsweise definierte Summen zur Anlage, und/ oder dürfen unternehmerisches Handeln über Beiräte von Unternehmen oder über Beteiligungen an Start-ups oder Mittelständler erfahren. Dies sind jedoch besonders privilegierte Situationen, die nicht vielen offen stehen.

Viele Eltern fragen sich, wann und wie der Nachwuchs über Umfang und Umgang mit dem Familienvermögen aufgeklärt werden soll.

Eltern haben oft Bedenken, dass ihre Kinder „falsche“ Freunde finden bzw. ihre jugendliche Unbefangenheit verloren geht.

Die heutige Elterngeneration ist sich ihrer Verantwortung bewusst, rechtzeitig eine Hilfestellung zu geben, damit sich der Nachwuchs ein fundiertes Finanzwissen aneignet.

Jedoch bevorzugen viele Familien eine Vermittlung des Wissens durch einen Dritten, um zu viele Berührungspunkte zum eigenen Vermögen und sensible Familiendiskussionen zu vermeiden.

Einige Privatbanken haben das Thema Wissensvermittlung erkannt: So veranstaltet die Privatbank Warburg mehrmals im Jahr die Warburg Banking School („WBS„).

Das Konzept sieht vor, dass junge Leute zwischen 18 und 29 einen Tag lang in Themen der Vermögensverwaltung geschult werden. So erfahren sie Details über moderne Portfoliotheorie genauso wie Einblicke in Immobilieninvestments oder Aspekte des Kaufes und Verkaufes von Unternehmen bzw. Unternehmensbeteiligungen. Dabei wird mit vielfältigen Beispielen auf die Beziehung von Rendite und Risiko und die Funktionsweisen von verschieden Anlageklassen und Kapitalmärkten eingegangen. „Markowitz“, „Maximum Drawdown“ oder „Value at Risk“ – und wie diese Themen wirklich einzuordnen sind – , sind nach einer Banking School kein Herrschaftswissen mehr.

Ziel ist der natürliche Umgang des Nachwuchses mit Finanzthemen, um die Basis für einen langfristigen Erhalt des Familienvermögens über Generationen zu schaffen.

Es überrascht deshalb nicht, dass auch die Eltern neugierig auf dieses Schulungsprogramm sind; haben die jungen Leute ihren Eltern nach einer Teilnahme meist eine Nasenlänge Finanzwissen voraus.

Sandra Duttke, Direktorin, Regionalleiterin Private Banking Nord, Warburg Bank, Hamburg

Dr. Nicholas Ziegert, Geschäftsführer und Gründer W&Z FinTech GmbH

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