Erst eine ganzheitliche Vermögensübersicht ermöglicht eine gute Vermögensallokation

Dr. Nicholas Ziegert

14. März 2017

Über die Bedeutung der Anlagestrategie auf den Anlageerfolg ist schon viel geschrieben worden. Einigkeit besteht darin, dass die Anlagestrategie inklusive der taktischen Allokation für das langfristige Rendite/ Risiko-Verhältnis eine herausragende Bedeutung hat. Dagegen ist die Auswahl von Einzeltiteln für die Höhe der Gesamtrendite weniger ausschlaggebend.

Während sich Profis des Asset Managements ausführlich mit diesem Thema auseinandersetzen, kennen viele Privatanleger ihre Vermögensaufteilung nicht bzw. nicht genau.

Dies hat viele Gründe: Während Kontostände und der Bestand der Wertpapierdepots online eingesehen werden können, ist die Zusammenstellung etwa von Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Rückkaufswerten von Versicherungen, Gold, Oldtimern etc. mühevolle Handarbeit.

Wie wichtig der Blick über den Tellerrand der Bankdaten ist, zeigt ein Blick in die Statistik (Quelle: Flossbach und Storch (2017) und Bundesbank (2016)).

Hiernach ist das Vermögen der oberen 10% der deutschen Haushalte zu 58,5% in Immobilien, zu 25,5% in Betriebs- und sonstigem Sachvermögen (Unternehmen, Oldtimer, Sammlungen etc.) und nur zu 16% in Finanzvermögen (Kontobestände, Aktien, Rentenversicherungen etc.) angelegt.

Soweit Vermögende 60% ihres Vermögens bereits in Immobilien angelegt haben, ist es aus Sicht einer Allokationsstrategie meist nicht mehr sinnvoll, weitere Immobilieninvestments einzugehen. Stattdessen werden andere Assetklassen weitaus mehr zu einem guten Rendite/ Risiko-Verhältnis beitragen.

Dies können z.B. Rohstoffe oder Unternehmensbeteiligungen sein. In der Praxis sieht man, dass der relative Anteil an Unternehmensbeteiligungen bzw. Private Equity umso höher ist, je vermögender der Haushalt ist.

Der Grund dafür ist die „Vermögensbedürfnispyramide“ – frei nach Maslow. Die ärmeren Haushalte legen überwiegend in schnell verfügbaren Spareinlagen an. Dies entspricht dem Bedürfnis nach Liquidität. Wer diesen Punkt abgedeckt hat, strebt den Eigenheimerwerb an (siehe Blogbeitrag „Eigenheimsucher ist nicht gleich Immobilieninvestor“). Erst, wenn die Haushalte ihre jederzeitige Liquidität sichergestellt haben und das Wohnbedürfnis befriedigt ist, wird in Anlagen für die weitere Vermögensbildung investiert. Dementsprechend verwundert es nicht, dass sehr vermögende Personen ihr Geld in Anlagen investieren können, die längerfristig angelegt sind, nicht ortsgebunden sind und damit oft eine höhere Rendite versprechen. Und so handeln viele Family Offices dann auch im Sinne Ihrer Mandanten und investieren stärker in Private Equity-Beteiligungen mit internationaler Ausrichtung. Wenn man die Zahlen zur Entwicklung der Vermögen der oberen Vermögensgruppen ansieht, zeigt sich auch ein entsprechend überdurchschnittlicher Vermögenszuwachs.

Meist unterschätzen wir unsere tatsächliche Übersicht über das eigene Vermögen.

Nehmen wir als Beispiel einen Bankmanager aus Frankfurt. Er besitzt ein schönes Haus im Umland der Mainmetropole (Asset: Immobilie), hat ein stattliches Aktienportfolio (Asset: liquide Wertpapiere), allerdings überwiegend aus Aktien seines Arbeitgebers bestehend, eine Altersvorsorge über seinen Arbeitgeber (Asset: Pensionsversicherung), einen Oldtimer und ausreichend liquide Mittel. Am Stammtisch wird dieser Bankmanager sicher sagen, dass er keine Sorgen hat, weil er gut diversifiziert ist, und sich bisher fast alle seine Anlageklassen gut entwickelt haben. Der Leser ahnt nun worauf ich hinaus will: Der Bankmanager ist allein von seiner Bank-Branche abhängig. Arbeitsplatz und damit der Cash-Flow, Aktienvermögen und Pensionen hängen direkt vom Wohlergehen des Arbeitgebers ab. Die Immobilie und wohl auch der Oldtimer hängen wesentlich an der Kaufkraft aller anderen Bankmanager der Region.

Würde dieser Bankmanager mit seinen Kunden sprechen, so riete er ihnen sicher, sich aus dem Branchen- und Regionalrisiko herauszudiversifizieren. Hierzu wären am besten Anlagen in anderen Branchen in anderen Währungsräumen geeignet, die möglichst wenig mit der Bankbranche korreliert sind.

Hier haben uns Family Offices einiges voraus. Sie analysieren diese Zusammenhänge in der Vermögensallokation professionell und kommen dann z.B. zum Schluss, erhebliche Teile der Neuanlagen im außereuropäischen Ausland zu investieren.

Was uns Privatpersonen vom Kreis der Mandanten eines Family Offices unterscheidet, ist die Möglichkeit, die Erkenntnisse der Finanztheorie in der Praxis anzuwenden. Um gute Entscheidungen zu treffen, muss man erst mal genau wissen, wie das ganze Vermögen tatsächlich aufgestellt ist. Heute können sie dies auch ohne Family Office oder mühevoll erstellte Excel-Listen.

Mit OWNLY versuchen wir, den Vermögensüberblick einfach und übersichtlich zu gestalten. Dazu werden wir zukünftig weitere Analysemöglichkeiten für das Gesamtvermögen integrieren. Sie werden sehen, wie positiv sich die neue Klarheit auswirkt.

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